Verhaltensökonom erhält Nobelpreis Verhaltensökonom erhält Nobelpreis
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WZB-Experiment stützt Richard H. Thalers Ergebnisse

Rustamdjan Hakimov und Dorothea Kübler. Foto: U. Bochert/D. Ausserhofer

Am 9. Oktober wurde Richard H. Thaler (Universität von Chicago) mit dem diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. Die Forschungen des Verhaltensökonomen, die Ökonomie und Psychologie verbinden, haben auch in Forschungsprojekte des WZB Eingang gefunden. In dem Brückenprojekt „Kulturell bedingte Framing-Effekte in der experimentellen Spieltheorie“ wurden Richard Thalers Thesen zum Endowment-Effekt von einem Team um die Verhaltensökonomin Dorothea Kübler, Direktorin der Abteilung Verhalten auf Märkten, experimentell erforscht. 

Der Endowment-Effekt besagt, dass Menschen einem Gegenstand mehr Wert beimessen, wenn sie ihn besitzen, als wenn er ihnen nicht gehört. Die Hypothese von Charles R. Plott und Kathryn Zeiler (2005, 2007), die Thalers Forschungsergebnisse in Frage gestellt haben, indem sie kritisierten, dass der Endowment-Effekt nur auf die artifiziellen Bedingungen im Labor zurückzuführen ist, konnte mithilfe der neuen Experimente widerlegt werden.

Analog zum Vorgehen von Plott und Zeiler gliederte sich das Berliner Experiment in zwei Phasen. In der ersten Phase mussten die Teilnehmer ihre Zahlungsbereitschaft bzw. ihren minimalen Verkaufspreis für ein Lotterielos angeben. Sie diente als Trainingsphase für die Teilnehmer, um den der Bewertung der Lotterie zugrunde liegenden Mechanismus verstehen zu lernen. Außerdem wurde der ursprüngliche Experimentaufbau von Plott und Zeiler um zwei Runden ergänzt, die darauf abzielten, die Probanden danach zu klassifizieren, wie gut sie den eingeübten Mechanismus verstanden haben.

In der zweiten Phase des Experiments erhielten die Teilnehmer einen realen Gegenstand, wobei ihnen entweder mitgeteilt wurde, dass dieser jetzt ihnen gehöre und sie ihn verkaufen könnten, oder aber, dass es sich um ein Kaufangebot handle. Im Ergebnis war ein Endowment-Effekt zu beobachten, der unabhängig davon auftrat, ob den Teilnehmern zuvor ein gutes oder weniger gutes Verständnis des Experiments attestiert worden war. Das bedeutet, dass eine Schulung der Teilnehmer nicht etwa zum Verschwinden des Endowment-Effekts führt, sondern dass er ein robustes und ökonomisch relevantes Phänomen darstellt.

Für die soziologische Analyse innerhalb des Brückenprojekts wurden Daten durch teilnehmende Beobachtung und durch Aufnahmen verschiedener Videokameras erhoben, um die Interaktion von Forschern und Teilnehmern des Experiments nachzuzeichnen.

Die Ergebnisse der Studie von Dietmar Fehr, Rustamdjan Hakimov und Dorothea Kübler sind in der Zeitschrift  European Economic Review erschienen.