13. Juni: Stichtag für die Rentenlücke

45 Prozent weniger Altersrente für Frauen

Der 13. Juni steht in diesem Jahr symbolisch für den ganzen Umfang der Geschlechterungleichheit Erwerbstätiger. Die Lücke des Lebenseinkommens, also der Rente aus eigener Erwerbstätigkeit, zwischen Frauen und Männern, die 2014 erstmalig Altersrente bezogen haben, liegt bei 45 Prozent. In anderen Worten: Angenommen, die Altersrente wäre für Frauen und Männer gleich hoch, würden Frauen bis zum 13. Juni, also 164 Tage lang, keine Rente bekommen.

Im Vergleich zum Equal Pay Day (19. März) liegt der Tag der Rentenlücke deutlich später im Jahr, weil nicht nur die Einkommensunterschiede im Stundenlohn betrachtet werden, sondern die kumulierten Einkommensunterschiede über das gesamte Leben. "Erst die Rentenlücke zeigt damit das wahre Ausmaß der Geschlechterungleichheit", sagt WZB-Forscherin Ellen von den Driesch, die die Rentenlücke berechnet hat.

Bei der Rente bestehen beträchtliche Ost-West Unterschiede. Während Frauen in den alten Bundesländern durchschnittlich eine Altersrente in Höhe von 49 Prozent der Altersrente von Männern erhalten (485 € zu 980 €), erhalten Frauen in den neuen Bundesländern 88 Prozent der durchschnittlichen Männerrente (838 € zu 952 €).

Die Gründe hierfür: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, in schlechter bezahlten Berufen und haben längere und häufigere unfreiwillige Erwerbsunterbrechungen als Männer. Das bedeutet: schlechtere Aufstiegschancen, weniger Erwerbsjahre und ein geringeres Einkommen.

Für mehr Arbeitsgerechtigkeit müssen Frauen die Chance haben, mehr Stunden im Beruf zu arbeiten und Männer im Gegenzug mehr in unbezahlte Haus- und Familienarbeit investieren. Dringend müssen aber auch mehr Betreuungsplätze für Kinder angeboten werden.

Zum Weiterlesen

Jutta Allmendinger, Ellen von den Driesch: Der wahre Unterschied: Erst die Rente zeigt den ganzen Umfang der Geschlechterungleichheit, in: WZB-Mitteilungen, Heft 149, September 2015.

Jutta Allmendinger, Nadiya Kelle, Ellen von den Driesch: Partnerschaftliche Lebensmodelle als Grundlage ökonomischer Unabhängigkeit der Frauen in Ost- und Westdeutschland, in: Hartung, J.; Mohr, I.; Richter, F. (Hg.): 50 Jahre Deutsche Einheit. Weiter denken – zusammen wachsen. Dietz Verlag, Bonn 2015.