Annäherung von Berufsbildung und Studium tut not
Berufsausbildung oder Studium? In dieser Frage gibt es in Deutschland immer noch kaum Kompromisse. Die traditionell starke Trennung der beiden Bildungswege wird erst punktuell aufgeweicht – häufig durch lokale Maßnahmen oder Pilotprojekte. WZB-Bildungsforscher Lukas Graf hat in den Nachbarländern vielversprechende Modelle gefunden. Im neuen WZBrief Bildung stellt er Österreichs Berufsbildende Höhere Schulen und die Schweizer Berufsmaturität als Beispiele dafür vor, wie die institutionelle Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung erhöht werden kann.
In Österreich führt die Berufsbildende Höhere Schule in fünf Jahren zu einer Doppelqualifikation: Den Absolventinnen und Absolventen ermöglicht sie ein Studium oder den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die Ausbildung ist gerade für Jugendliche aus nicht-akademischen Elternhäusern attraktiv. Die Schweiz bietet mit der Berufsmaturität einen speziellen Abschluss an, der Auszubildenden einen reibungsfreien Übergang in ein Fachhochschulstudium ermöglicht. „Diese beiden Ansätze füllen eine institutionelle Lücke, die im deutschen Bildungssystem derzeit noch besteht“, sagt Lukas Graf. Für Deutschland sieht er noch ein ganzes Stück Weg: „Um auch hierzulande zu solch einheitlichen und flächendeckenden Angeboten zu kommen, müsste endlich die Gleichwertigkeit von Berufs- und Hochschulbildung anerkannt werden.“