Drei Thomas Mann Fellows aus dem WZB
Dreizehn ausgewählte Thomas Mann Fellows werden sich 2024 - mitten im US-Wahljahr - mit Fragen von Demokratie und Vulnerabilität auseinandersetzen. Wir freuen uns am WZB sehr darüber, dass drei Fellows aus dem WZB dabei sind: die Forscher*innen Pola Lehmann, Johannes Gerschewski und Dieter Gosewinkel. Sie werden sich gemeinsam mit 10 weiteren Fellows aus Wissenschaft, Kultur und Medien im kommenden Jahr im Thomas Mann House in Los Angeles über das Schwerpunkt-Thema „Democracy and Vulnerability“ austauschen.
Seit einigen Jahren ziehen jedes Jahr Fellows in das ehemalige Wohnhaus der Familie Thomas Manns, das vom Auswärtigen Amt im November 2016 erworben wurde. Das Programm soll Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien Raum und Freiraum bieten, sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Ein Schwerpunkt liegt 2024 auf der Vulnerabilität innerhalb von Demokratien.
Pola Lehmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung, und Johannes Gerschewski, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Global Governance, untersuchen in ihrem Projekt, wie sich der Wert des Kompromisses entwickelt hat. Öffentliche Debatten scheinen zunehmend polarisiert, die Bereitschaft, Kompromisse auszuloten, ist gering. Zugleich wirken politische Präferenzen zunehmend moralisch aufgeladen; die Überzeugung, die „richtige“ Position gegenüber der „falschen“ zu vertreten, scheint an die Stelle der Bereitschaft zu rücken, handlungsfähige Kompromisse erarbeiten zu wollen. Die beiden Forschenden untersuchen, inwieweit dieser Eindruck empirisch belegbar ist. Und sie loten in einer interdisziplinären Veranstaltungsreihe mit Aktivist*innen und Akteur*innen aus Kunst und Kultur aus, wo die Grenzen des Kompromisses sind.
Dieter Gosewinkel, Senior Researcher der Forschungsprofessur Global Constitutionalism, verfolgt ein Publikationsprojekt zum Thema „Ausbürgern und Töten. Der Ausschluss von „Staatsfeinden“ aus der Rechtsgemeinschaft als Problem der US-Demokratie“. Das Thema - durchaus umstritten in den USA - betrifft die Verwundbarkeit der Demokratie von innen her: die Preisgabe ihres rechtsstaatlichen Kerns zugunsten eines erhofften Zugewinns an Sicherheit. Er untersucht, inwieweit sich Demokratien von Diktaturen bei der Bekämpfung von „Staatsfeinden“ unterschiedlich an das Recht binden.
Weitere Fellows sind die Rechtswissenschaftlerin Susanne Baer, die Soziologin Sabine Hark und die Philosophin Rahel Jaeggi, die Journalistin Aida Baghernejad, die Autorin und Journalistin Theresia Enzensberger, die Autorin Julia Franck, die Autorin und Journalistin Ciani-Sophia Hoeder, der Autor und Moderator Friedemann Karig, die Kommunikationswissenschaftlerin Ulrike Klinger und die Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele.
08.08.2023/SE