Forschen für und mit Migranten: WZB-Studie zur HIV-Prävention
Jedes Jahr wird bei rund 3000 Menschen in Deutschland HIV neu diagnostiziert – jeder dritte dieser Betroffenen ist aus einem anderen Land zugewandert. Wie aber erreicht man Migranten, um sie über HIV und Aids aufzuklären? Diese Frage haben Forscherinnen und Forscher des WZB untersucht. Präventionsangebote müssen sich an den Lebenswelten der Migranten ausrichten, lautet ein Fazit der Studie. Denn das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ist auch unter Zuwanderern ungleich verteilt – je nach Herkunft, Bildungsstand, Geschlecht, rechtlichem Status und Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland.
Um die Lebensumstände der Migranten besser zu verstehen, wurden vier Fallstudien durchgeführt: mit bulgarischen, afrikanischen, russisch- und türkisch-sprachigen Zielgruppen in Hamburg, Berlin, Osnabrück und Dortmund.
Die Wissenschaftler sind dabei einen ungewöhnlichen Weg gegangen: Sie haben Mitglieder aus den Communities der Herkunftsländer gewonnen, Teil des Forscherteams zu werden. Gemeinsam wurden zum Beispiel Interviews, Fotodokumentationen und Online-Befragungen erarbeitet und durchgeführt. Weil die Migranten die Sprache und Kultur der Community kennen, haben sie einen besseren Zugang zu den Betroffenen als Forscher, die von außen kommen. Dieser partizipative Forschungsansatz findet in Deutschland bisher kaum Anwendung. Er macht aber deutlich: Keine Gruppe ist per se schwer erreichbar. Es kommt immer darauf an, wer sie anspricht und wie.
Die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Partizipative Entwicklung der HIV-Primärprävention mit Migrantinnen und Migranten" werden am Donnerstag, 8. September 2011, auf einer Abschlusskonferenz im WZB vorgestellt.
Das Foto zeigt afrikanische Zuwanderinnen, die an der Fallstudie in Osnabrück mitgearbeitet haben.