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In wärmeren Räumen sind Frauen leistungsfähiger

Je wärmer es in einem Raum ist, umso bessere Leistungen zeigen Frauen. Für Männer gilt umgekehrt, dass sie bei niedrigeren Temperaturen am produktivsten sind. Das ist das Ergebnis einer Studie von WZB-Ökonomin Agne Kajackaite gemeinsam mit Tom Chang von der USC Marshall School of Business, Los Angeles.

Viele Umfragen haben gezeigt, dass Frauen in der Regel höhere Raumtemperaturen bevorzugen als Männer. Bislang gab es aber keine experimentelle Untersuchung zum Einfluss der Temperatur auf die kognitive Leistung, die mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigt hat. Die Studie schließt diese Lücke. Dafür haben zwischen September und Dezember 2017 insgesamt 542 Studierende Logik-, Mathematik- und mündliche Tests in einem Raum abgelegt, der auf Temperaturen zwischen 16.2 und 32.6 Grad Celsius gekühlt oder erwärmt wurde. Die Teilnehmer wurden auf 24 Gruppen aufgeteilt. 41 Prozent der Testpersonen waren Frauen.

Die Forscher stellten fest, dass die Frauen bei mathematischen und mündlichen Tests im Allgemeinen besser abschnitten, wenn die Raumtemperatur im oberen Temperaturbereich lag. Sie gaben mehr richtige und insgesamt mehr Antworten. Umgekehrt schnitten die Männer im niedrigen Temperaturbereich in der Regel besser ab – bei warmer Raumtemperatur gaben sie weniger und weniger korrekte Antworten. Dagegen hatte die Temperatur keinen Einfluss auf das Abschneiden beider Geschlechter bei den Logiktests.

Da die TeilnehmerInnen eine vergleichsweise homogene Gruppe von Studierenden bildeten, lassen sich unterschiedliche Effekte des Temperaturwechsels bei anderen demografischen Gruppen nicht ausschließen. Dennoch argumentieren die Autoren, dass normale Schwankungen der Raumtemperatur einen erheblichen und je nach Geschlecht unterschiedlichen Einfluss auf die kognitiven Leistungen haben können (siehe Grafik).

„Unsere Studie zeigt, dass die Raumtemperatur nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlbefindens ist. Leidet das Wohlbefinden, so sinkt auch die kognitive Leistung“, sagt WZB-Forscherin Agne Kajackaite.

Berlin, 22. Mai 2019

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Thermometer und Tmperaturregler
Valery Yurasov iStock / Getty Images Plus

Die Studie ist unter dem Titel Battle for the thermostat: Gender and the effect of temperature on cognitive performance im Magazin PLOS ONE erschienen.

 

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Porträtfoto Agne Kajackaite
David Ausserhofer

Agne Kajackaite leitet seit 2017 am WZB die Forschungsgruppe Ethics and Behavioral Economics.

 

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