Beispielbild Landflucht
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Landflucht durch Klimawandel

Höhere Temperaturen führen langfristig dazu, dass mehr Menschen aus ländlichen Regionen in Städte ziehen. Diesen Zusammenhang stellten Marc Helbling und Daniel Meierrieks bei einer Analyse der Daten aus 118 Ländern zwischen 1960 und 2016 fest.

Den Effekt von globaler Erwärmung auf Urbanisierungsraten beobachten sie verstärkt in ärmeren und stärker von der Landwirtschaft abhängigen Ländern sowie in heißeren Klimazonen. Diese Länder sind besonders betroffen, wenn die Landwirtschaft beeinträchtigt ist, etwa durch Ernteausfälle. Sie sind anfangs nicht städtisch geprägt, wichtige öffentliche Versorgungsinstitutionen – wie etwa Krankenhäuser – sind jedoch fast ausschließlich in den Städten verfügbar. Die Dynamik aus ländlichen Push-Faktoren und städtischen Pull-Faktoren sorgt für ein andauerndes Wachstum der Städte. Gerade in ärmeren Ländern geht dieses jedoch nicht unbedingt mit wirtschaftlichem Wachstum einher, die klimabedingte Landflucht wird für sie zum Problem.

Aus ihren Ergebnissen leiten die Autoren zwei politische Empfehlungen ab. Erstens müssen weltweit die Treibhausgasemissionen erheblich reduziert werden, um die Auswirkungen der globalen Erwärmung einzudämmen. Zweitens soll der Zugang zu öffentlichen Gütern – wie etwa im Bereich der Gesundheit – in ländlichen Regionen betroffener Länder verbessert werden. Sie empfehlen reicheren Ländern diese Verbesserungsmaßnahmen durch verstärkte Entwicklungs- und Technologiehilfe zu unterstützen. Andernfalls folgt aus einer verstärkten Landflucht in ärmeren Ländern eine verstärkte internationale Migration in reichere Länder, für die Städte in ärmeren Ländern wichtige Drehscheiben sind.

17.11.2022 MP

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Meierrieks und Helbling
David Ausserhofer/Marc Helbling

Daniel Meierrieks ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung. Marc Helbling forscht als WZB Fellow ebenfalls in der Abteilung.