Studie

Radio-Propaganda und ihre Wirkung

Welche Wirkung kann Radiopropaganda bei der Etablierung einer Diktatur entfalten? Diese Frage hat WZB-Forscherin Maja Adena gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftler-Team am Beispiel NS-Deutschlands untersucht. Das Fazit: In Regionen mit höherer Radioverbreitung und besserem Radioempfang haben die Nationalsozialisten im März 1933 deutlich höheren Wählerzuwachs erzielt als in anderen Regionen. Die Studie, die den politischen Einfluss des Radios in der Weimarer Republik vergleichend einbezieht, ist soeben in "The Quarterly Journal of Economics" erschienen.

Die Autoren Maja Adena, Ruben Enikolopov, Maria Petrova, Veronica Santarosa und Ekaterina Zhuravskaya stellten fest, dass die stärkere politische Nutzung des Radios durch die demokratischen Regierungen (von 1929 an) eine Stärkung der demokratischen Parteien und eine Schwächung des nationalsozialistischen Stimmenzuwachses zur Folge hatte. In den letzten Jahren der Weimarer Republik blieb den Nationalsozialisten Zugang zum Radio verwehrt, während die Regierungen das junge Medium für die Verbreitung demokratischen Ideenguts nutzten. Die Nationalsozialisten haben dann in den wenigen Wochen zwischen der Machtübernahme Ende Januar 1933 und den Reichstagswahlen im März 1933 das Radio massiv für politische Propaganda genutzt - mit dem nun nachgewiesenen Einfluss auf die Wählerschaft.

Radio and the Rise of he Nazis in Prewar Germany, erschienen in: The Quarterly Journal of Economics (2015), 130 (4), S.1885-1939.

Zur Studie ist auch ein WZB Discussion Paper (PDF) erschienen.