Stefan Stuth erhält den Gerhard-Fürst-Preis
Stefan Stuth, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Projektgruppe der Präsidentin, wurde am 24. November in Wiesbaden mit dem Gerhard-Fürst-Preis 2016 in der Kategorie „Beste Dissertation“ ausgezeichnet. Mit dem Preis ehrt das Statistische Bundesamt jährlich herausragende Abschlussarbeiten. Stefan Stuth erhält den Preis für seine Dissertation „Closing in on Closure. Occupational Closure and Temporary Employment in Germany“, in der er auf innovative Art und Weise Daten der amtlichen Statistik verwendet hat, um das empirische Problem der befristeten Beschäftigung neu zu beleuchten.
In seiner Doktorarbeit geht es um die Frage: Warum sind Arbeitnehmer in Deutschland befristet beschäftigt, auch wenn sie das gar nicht wollen? Um diese Frage zu beantworten, wird erstmals das Phänomen der beruflichen Schließung mit befristeter Beschäftigung verbunden. Mit beruflicher Schließung werden Prozesse beschrieben, die die Arbeitnehmer vor Arbeitsmarktrisiken schützen. So kann berufliche Schließung auf rechtlichen Regularien basieren, die den Erwerb von beruflichen Lizenzen als zwingende Voraussetzung definieren, um bestimmte Berufe auszuüben (z. B. Lehrer, juristische Berufe oder Ärzte). Sie kann auch auf sozialen Normen beruhen, die spezifische Zertifikate als Nachweis der Befähigung und Qualifikation erfordern. So wird ein Arbeitgeber, der eine Stelle als Friseur besetzen möchte, keinen Tischler einstellen. Die Ergebnisse der Dissertation unterstreichen die Schutzfunktion von bestimmten Berufen und zeigen, dass Arbeitgeber ihre Befristungspraxis danach ausrichten. Insbesondere Arbeitnehmer von ungeschützten Berufen wie soziale Helferberufe oder künstlerische Berufe (wie Sänger und Schauspieler) werden befristet beschäftigt. Die Risiken von befristeter Beschäftigung (niedriger Lohn, hohes Arbeitslosigkeitsrisiko, schlechte Arbeitsbedingungen, kaum Weiterbildungs- und Aufstiegschancen) konzentrieren sich auf diese Berufe. Um die negativen Effekte von Befristungen zu reduzieren, sollte die Befristungsgesetzgebung für Beschäftigte dieser Berufe angepasst werden.
Die Dissertation ”Closing in on Closure. Occupational Closure and Temporary Employment in Germany” wird Anfang 2017 im Nomos Verlag erscheinen. Mehr hier.
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