Pressemitteilung: 30 <b>09</b> 2013 Pressemitteilung: 30 09 2013
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Fettleibigkeit beeinträchtigt Schulerfolg

WZB-Studie: Adipöse Kinder schaffen es seltener aufs Gymnasium

Fettleibige Kinder haben schlechtere Mathematiknoten und besuchen seltener ein Gymnasium. Das zeigt eine neue Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Sie belegt erstmals für Deutschland, dass Fettleibigkeit (Adipositas) unabhängig vom sozialen Status der Eltern Einfluss auf den Schulerfolg hat. Bisher war nur bekannt, dass Menschen mit niedriger Bildung eher zu Übergewicht neigen. In Deutschland sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig, etwa 6 Prozent fettleibig.

Konkret haben die WZB-Bildungsforscher Marcel Helbig und Stefanie Jähnen für Deutschland untersucht, wie Übergewicht und Adipositas mit der Mathematik- und Deutschnote in der Grundschule sowie dem Übergang aufs Gymnasium zusammenhängen.

Während übergewichtige Kinder nicht schlechter in Mathematik sind, haben adipöse Mädchen und Jungen seltener gute bis sehr gute Mathenoten. Die Wahrscheinlichkeit, die Note 1 oder 2 zu bekommen, ist bei ihnen um elf bzw. zehn Prozentpunkte geringer als bei ihren normalgewichtigen Mitschülern. Bei adipösen Mädchen sind die schlechteren Mathenoten vor allem darauf zurückzuführen, dass sie häufiger gehänselt werden, was zu einem geringeren Selbstwert und größeren Verhaltensproblemen führt. Bei den Jungen stellten die Forscher keinen „Hänsel-Effekt“ fest. Allerdings leiden auch adipöse Jungen unter einem geringeren Selbstwert, was die schlechteren Mathematikleistungen zum Teil erklärt. Ob ein Kind insgesamt gesund ist, wie viel Sport es treibt oder wie viel Fernsehen es schaut, verändert den Einfluss von Adipositas auf die Mathenoten nicht.

Auch den Übergang auf das Gymnasium schaffen adipöse Mädchen und Jungen seltener. Das Gleiche gilt für übergewichtige Jungen. Ob dies ausschließlich auf die schlechteren Mathematiknoten zurückzuführen ist, konnten die Forscher in ihrer Studie nicht nachweisen. Denkbar ist, dass Lehrer adipöse Kinder für weniger kompetent halten und seltener fürs Gymnasium empfehlen. Auch könnten Eltern diesen Kindern weniger zutrauen und sie deshalb nicht aufs Gymnasium schicken.

Für die Studie wurden Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts (Stichprobe der 7- bis 10-Jährigen) sowie des Mikrozensus 2009 ausgewertet.

Die Studie „Bildungsbenachteiligt durch Übergewicht: Warum adipöse Kinder in der Schule schlechter abschneiden“ erscheint Anfang Oktober in der Zeitschrift für Soziologie, Jg. 42, Heft 5, S. 405-423.

Pressekontakt:

Dr. Marcel Helbig, Tel.: 030/25491-525, marcel [dot] helbig [at] wzb [dot] eu

Claudia Roth, Pressestelle, Tel.: 030/25491-510; claudia [dot] roth [at] wzb [dot] eu