Huntingtons These diskutiert

Kultur - Religion - Konflikt

Gut zwei Jahrzehnte nach Veröffentlichung seiner These vom weltumspannenden „Kampf der Kulturen“ ist die Diskussion über Samuel Huntingtons Spätwerk immer noch nicht verstummt – und erscheint aktuell wichtiger denn je. Sind islamistischer Terror und religiös aufgeladene Konflikte Anzeichen für einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Kulturkreisen, „Civilizations“, wie Huntington sie zu identifizieren versuchte? In der März-Ausgabe der WZB-Mitteilungen fragen drei WZB-Forscher, wie Huntingtons These aus empirischer Perspektive zu bewerten ist – und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Plamen Akaliyski fragt, ob sich in Europa überhaupt grundlegend verschiedene Kreise identifizieren lassen. Er bejaht nach einer empirischen Analyse diese Annahme Huntingtons, betont aber gleichzeitig dessen Aussage, dass tief verwurzelte Gemeinsamkeiten – und damit Differenzen zu anderen Kulturkreisen – nicht zwangsläufig zum Konflikt führen müssen.

Michael Zürn sieht in Huntingtons Perspektive die Überbleibsel eines schematischen Denkens, wie es in der Zeit des Kalten Krieges die politische Analyse geprägt hat. Er sieht Treffendes in der damaligen These des Harvard-Politologen ebenso wie Falsches, insgesamt aber habe Huntington aus heutiger Sicht „richtig falsch“ gelegen.

Wolfgang Merkel sieht in den seit der Veröffentlichung von Huntingtons Buch vergangenen zwei Jahrzehnten dessen These im Kern bestätigt. Die sich aktuell zuspitzenden Konflikte zeigten, dass die Grundidee des amerikanischen Politikwissenschaftlers über neue Bruchlinien entlang kulturellen und religiösen Abgrenzungen  bestätigt werden kann.

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