Wie können sich liberale Demokratien verteidigen?

Seit Januar 2026 ist WZB-Forscher Johannes Gerschewski Fellow im Heisenberg-Programm. Er erforscht in seinem neuen Forschungsprojekt „Demokratische Selbstverteidigung in Zeiten von Autokratisierung“, wie sich liberale Demokratien gegen den gegenwärtigen globalen Trend der demokratischen Regression wehren können. Das Heisenberg Fellowship wird für fünf Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Heute leben nach Angaben des schwedischen Forschungsprojekts V-Dem nur noch 12 Prozent der Weltbevölkerung in liberalen Demokratien. Die liberale Demokratie ist weltweit die seltenste Regimeform geworden. Vor diesem Hintergrund versucht Johannes Gerschewski in dem Projekt in einem ersten Schritt den Wissensstand zu Autokratisierungsprozessen zu ordnen und zu synthetisieren, um darauf aufbauend in tiefen vergleichenden Fallstudien zu untersuchen, warum die Demokratie in manchen Ländern zusammengebrochen ist, während sie sich in anderen Kontexten als resilient erwiesen hat. Die leitende Forschungsfrage ist hier die nach den Erfolgsbedingungen von Abwehrstrategien gegen demokratische Regression.

Verglichen werden die Fälle Ungarns (seit 2006) und der Philippinen (2016-2023), in denen die liberale Demokratie graduell ausgehöhlt wurde und schließlich zusammengebrochen ist, mit den Fällen von Südkorea (2008-2023) und Slowenien (2012-2021), bei denen die liberale Demokratie signifikante Rückschritte erlebt hat, sich aber wieder erholt hat.

In einem dritten Schritt untersucht das Heisenberg-Projekt das schärfste, aber auch das umstrittenste Instrument der demokratischen Selbstverteidigung: die „wehrhafte Demokratie“. Das Konzept der „wehrhaften Demokratie“ umfasst die Anwendung von prima facie illiberalen Maßnahmen (Parteienverbot, Einschränkungen der Pressefreiheit oder der Versammlungsfreiheit) zur Sicherung der Existenz liberal-demokratischer Herrschaftsformen. Das Heisenberg-Projekt knüpft so an die staatstheoretische Debatte in den 1930er Jahren zwischen Befürworter*innen (vor allem Karl Lowenstein) und Gegner*innen (vor allem Hans Kelsen) der „wehrhaften Demokratie“ an und fragt, was wir heute daraus lernen können.

Das Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wendet sich an herausragende Wissenschaftler*innen, die bereits alle Voraussetzungen erfüllen, um auf eine Langzeit-Professur berufen zu werden. Es gibt den Wissenschaftler:innen genügend Spielraum, sich weiterhin auf wissenschaftliche Leitungspositionen vorzubereiten und eine weiterführende Forschungsagenda zu verfolgen.

20.1.26, kes/JG