Wissensgesellschaft – inflationär gebraucht
Der Wandel zur Wissensgesellschaft – damit ist die wachsende Bedeutung von Wissen in der Gesellschaft, vor allem auch in der Wirtschaft gemeint – gilt als eine der zentralen Herausforderungen für Europa. In der Lissabon-Strategie der EU wird das Phänomen der wissensbasierten Wirtschaft gar in den Rang eines „Quantensprungs“ erhoben – ein Grund mehr für Yaman Kouli, bis 2013 WZB-Fellow und jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz, sie in einem WZBrief Arbeit in den Blick zu nehmen. Es geht um folgende Fragen: Sind Wissensgesellschaft und wissensbasierte Wirtschaft tatsächlich neuartige Phänomene, die von uns rasche Anpassungsleistungen verlangen? Und wie beeinflussen sie die Mobilität von Menschen und Unternehmen?
Seit Daniel Bell, der Begründer der Wissensgesellschaftsdebatte, den Übergang in eine post-industrielle Gesellschaft prognostizierte, wird der Bedeutungsanstieg von Wissen frühestens in der Zeit nach 1970, häufig sogar noch erheblich später verortet. Andere Forscher argumentieren gar, die moderne kapitalistische Ökonomie mutiere erst noch schrittweise zu einer post-kapitalistischen, wissensbasierten Produktionsform. Die Darstellung der knowledge-based economy als eine zukünftige Herausforderung folgt dieser Argumentation auch. Yaman Kouli will mit seiner wirtschaftshistorischen Perspektive für mehr Klarheit sorgen.