Zwei Elefanten, Foto: pixaby
Zwei Elefanten, Foto: pixaby
Neuerscheinung

Zwei Elefanten und das Dilemma der WHO

Wer für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeite, müsse lernen, mit „zwei Elefanten in einem Raum zu leben”. So beschrieb ein neu berufener Programmdirektor der WHO das Dilemma der UN-Sonderorganisation: ­ zum einen deren Fragmentierung in autonom agierende Regionalbüros, zum anderen die chronische Unterfinanzierung und Abhängigkeit der WHO von Spenden.

Wie konnte es dazu kommen? Und weshalb haben alle bisherigen Reformversuche die Pathologien der Organisation eher verstärkt als korrigiert? WZB-Forscherin Tine Hanrieder geht dieser „Fragmentierungsfalle“ nach. In ihrem jetzt bei Oxford University erschienenen Buch „International Organization in Time“ analysiert sie die Gründungs- und Reformgeschichte der Weltgesundheitsorganisation seit 1946. Sie zeigt, wie Geber- und Nehmerstaaten zusammen mit den WHO-Bürokraten die Zersplitterung der Organisation vorantrieben – was zuletzt zu einem Versagen in der Ebola- Krise geführt hat. Ihr Buch schärft den Blick für die historische Pfadabhängigkeit internationaler Institutionen und erklärt, warum Reformen scheiterten.

Tine Hanrieder: International Organization in Time. Fragmentation and Reform. Oxford University Press 2015, 272 Seiten.

Dr. Tine Hanrieder forscht seit 2014 am WZB in der Abteilung Global Governance. Sie wurde jüngst mit dem Politics Journal Prize der Political Studies Association, der führenden politikwissenschaftlichen Berufsvereinigung in Großbritannien, ausgezeichnet. In einem Gastbeitrag "Quittung für absurdes Sparen" für die Süddeutschen Zeitung beleuchtete sie die Hintergründe für das Versagen der WHO in der Ebola-Krise.