Zivilgesellschaft und Bildung. Bürgerschaftliches Engagement in kommunalen Bildungslandschaften

Abstract

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen, die durch den digitalen Wandel, die fortschreitende Alterung der Gesellschaft und den Klimawandel verstärkt werden, ist das öffentliche Bildungssystem heute mehr denn je gefordert. Zugleich belegen verschiedene Studien Rückgänge bei den Leistungen der Schüler*innen, steigende Unterrichtsausfälle und prognostizieren zudem einen wachsenden Fachkräftemangel. Damit rückt die Zivilgesellschaft als Bildungsakteur stärker in den Fokus. Denn zivilgesellschaftliche Akteure – engagierte Einzelpersonen wie Organisationen – leisten wesentliche Bildungsbeiträge vor Ort und darüber hinaus. Ehrenamtliche Mentoren und Paten unterstützen Jung und Alt bei der Entwicklung bestimmter Kompetenzen wie Lese- oder Digitalkompetenz. Fördervereine unterstützen Schulen und andere öffentliche Bildungseinrichtungen finanziell und personell. Vereine und Stiftungen entwickeln eigene Bildungsprogramme oder sind als Träger außerschulischer Bildungseinrichtungen aktiv. Meist werden dabei freiwillig Engagierte eingebunden.

Welchen Beitrag die Zivilgesellschaft tatsächlich erbringt und inwieweit sie das Bildungssystem im Verständnis eines lebenslangen Lernens prägt, ist bislang noch nicht systematisch erforscht. Das Feld der zivilgesellschaftlichen Akteure ist in seiner Vielfalt noch nicht systematisiert und beschrieben, was unter anderem daran liegt, dass Bildung als Handlungsfeld zivilgesellschaftlicher Aktivitäten kaum in der Zivilgesellschaftsforschung präsent ist. Mit dem Projekt Zivilgesellschaft und Bildung soll das Feld Bildung für die sozialwissenschaftliche Zivilgesellschaftsforschung erschlossen werden und dabei eine Brücke zu den Bildungswissenschaften geschlagen werden. Zentrale These des Projekts lautet, dass gerade neue, nicht an formale zivilgesellschaftliche Organisationen gebundene Formen des Engagements im Bildungsbereich an Bedeutung gewinnen.

Ziel des Projektes ist es, die Forschungslücke zu schließen und ein Mapping zivilgesellschaftlicher Akteure und ihrer Bildungsbeiträge zu entwickeln und die Rahmenbedingungen zu analysieren, unter denen diese zivilgesellschaftlichen Akteursgruppen arbeiten. Die Projektergebnisse sollen Handlungswissen für Politik und Praxis bieten. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht dabei die Frage, wie die Akteure der Zivilgesellschaft in ihrer Arbeit gestärkt werden können, um damit mittel- bis langfristig ihre Handlungsfähigkeit zu erhöhen.

Methodisch kombiniert das Projekt quantitative Individual- und Organisationsbefragungen mit qualitativen Fallstudien. Darüber hinaus werden neue Wege erprobt, das Erfahrungswissen der zivilgesellschaftlichen Akteursgruppen nicht nur als Untersuchungsgegenstand, sondern auch bei der Instrumentenentwicklung und bei der Ableitung von Handlungsempfehlungen in den Forschungsprozess einzubeziehen.

Das Projekt des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung im Verbund mit Stiftungen für Bildung e.V., Träger des Netzwerkes Stiftungen und Bildung, wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Publikationen

Priemer, Jana; Rößler-Prokhorenko, Charlotte (2024): Die Zivilgesellschaft als neuer Bildungspartner. Mentoring, Patenschaft und Mediation. Hg. v. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Berlin (WZB Discussion Paper, ZZ 2024–601). Online verfügbar unter https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2024/zz24-601.pdf.

Rößler-Prokhorenko, Charlotte; Priemer, Jana (2023): Training, Coaching, Schulmensa. Wesentliche Beiträge zur Bildung kommen aus der Zivilgesellschaft. In: WZB-Mitteilungen (182), S. 45–48. https://bibliothek.wzb.eu/artikel/2023/f-25879.pdf