Friends of the WZB Award
Der "Friends of the WZB Award" wurde 2015 von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern am WZB initiiert. Er ist mit einem freien Preisgeld von eintausend Euro dotiert. Jedes Jahr wählt die aus Forschenden und Mitgliedern des Förderkreis bestehende Jury gut geschriebene und auch für Nichtwissenschaftler:innen verständliche Texte für den Preis aus.
Der Friends of the WZB Award 2025 in der Kategorie Postdocs geht an Berenike Firestone, Ph.D., Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Transformationen der Demokratie für ihr Interview „Aktives Erinnern“ im Deutschlandfunk Kultur am 6. Mai 2025. In diesem Beitrag erläutert sie die Ergebnisse einer groß angelegten randomisierten Studie zur Teilnahme am #everynamecounts Projekt der Arolsen Archives, dem weltweit größten Archiv zur NS-Verfolgung. In Zusammenarbeit mit dem Archiv und zwei weiteren Wissenschaftler*innen an der Hertie School untersuchte sie über drei Jahre die Wirkung des Projekts, bei dem Freiwillige aus der ganzen Welt dabei helfen, Originaldokumente aus Konzentrationslagern zu digitalisieren. Das Ergebnis: Die Teilnahme an diesem Projekt steigert die Motivation, sich für das Gedenken der NS-Verfolgung ebenso wie für demokratische Werte einzusetzen.
Die aus WZB-Forschenden und Mitgliedern des Freundeskreises bestehende Kommission würdigte zum einen die thematische Relevanz des Interviews vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Stimmen der Holocaust-Zeitzeugengeneration in wenigen Jahren nicht mehr gehört werden könnten. Umso wichtiger sei es, über alternative Ansätze und Vorgehensweisen die Erinnerung wach zu halten und die persönliche Betroffenheit und Motivation bei der jüngeren Generation wecken, die keinen Zeitzeugen mehr begegnen werde. Die Studie, auf die sich das Interview bezieht, wurde im April 2025 in der hochrangigen Psychologie-Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht. Das Interview habe die wichtigsten Erkenntnisse verständlich, klar und strukturiert vermittelt, so die Kommission, und sei damit ein gutes Beispiel dafür, wie Ergebnisse auch von hochrangigen Publikationen einem breiteren Publikum leicht zugänglich gemacht werden könnten.
Der Friends of the WZB Award 2025 in der Kategorie Promovierende geht an Christin Jänicke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung, für ihren Artikel "Entwicklung rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Deutschland", der 2024 als Online-First-Version im Handbuch Rechtsextremismus erschien und eine umfassende interdisziplinäre Analyse rechter Gewalt in Deutschland leistet. Der Artikel verdeutlicht, dass rechte Gewalt kein ostdeutsches Nachwendephänomen ist, sondern sich kontinuierlich durch beide deutschen Nachkriegsgesellschaften zeigt. Darüber hinaus zeigt er eine erhebliche Untererfassung rechtsextremer Angriffe: so stuften staatliche Behörden 2024 nur die Hälfte der von zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen dokumentierten Angriffe als politisch rechtsextrem motiviert ein.
Die aus WZB-Forschenden und Mitgliedern des Freundeskreises bestehende Kommission lobte zunächst die überaus genaue und zugleich gut verständliche Deskription des Sachverhalts. Die Identifizierung und Beschreibung der Lücke zwischen staatlicher und nichtstaatlicher Zählung zeige ein aktuelles gesellschaftliches Problem von großer Relevanz auf. Auch das Format eines Artikels in einem Handbuch, das ein Standardwerk dem Fachgebiet darstelle, führe zu einer höheren Sichtbarkeit und Breitenwirkung, die durch einzelne Veröffentlichungen nicht immer gegeben seien.
Die vorherigen Gewinner:innen:
- Preisträgerin des „Friends of the WZB Award“ 2024 ist Carla Hornberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt. Sie wird für ihren gemeinsam mit Jan Paul Heisig und Heike Solga verfassten Artikel „Strengthening the labour force participation of low-qualified individuals in Europe“ ausgezeichnet, der sich mit den Arbeitsmarktproblemen von Beschäftigten mit geringen formalen Qualifikationen beschäftigt. Diese fehlenden formalen Qualifikationen schränken die Jobperspektiven und Weiterbildungschancen dieser Menschen aber massiv ein. Daher sollten Arbeitgeber in Erwägung ziehen, ihre Einstellungsverfahren so zu ändern, dass neben den formalen Qualifikationen auch tatsächliche Fähigkeiten stärker berücksichtigt werden. Die Jury lobte den Artikel als höchst relevant und anwendungsorientiert. Er rege dazu an, auch grundsätzlich über eigene Voreingenommenheit nachzudenken. Gerade in einer Zeit, in der die Kandidatenauswahl in Besetzungsverfahren gestützt durch Künstliche Intelligenz ablaufe, würden Standardqualifikationen in Algorithmen zunehmend präferiert. Das schmälert die Chancen von Bewerber*innen ohne formale Qualifikation.
- Gesine Höltmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung, erhält den Preis in der Kategorie Pre-Docs für ihr Diskussionspapier „Solidarität und Protest in der Zeitenwende. Reaktionen der Zivilgesellschaft auf den Ukraine-Krieg“.
- Benjamin Edelstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe der Präsidentin, erhält den Preis in der Kategorie Postdocs für seinen Überblicksartikel „Bildung und soziale Ungleichheit“ im Online-Dossier Bildung der Bundeszentrale für politische Bildung.
- Teresa Völker, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung für ihren Beitrag in den WZB-Mitteilungen „Terror und Öffentlichkeit. Auf rechtsextreme und islamistische Anschläge wird unterschiedlich reagiert“.
- Tobias Burst, Juliane Hanel, Sarah Hegazy, Christoph Ivanusch, Pola Lehmann, Marvin Müller, Sven Regel, Leonie Schwichtenberg, Leila van Rinsum und Lisa Zehnter für den #ManifestoMonday – eine Sammlung von Blogartikeln und einem Artikel bei ZEIT online zu den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien im Vorfeld der Bundestagswahl 2021.
- Jelena Cupać und İrem Ebetürk, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in der Abteilung Global Governance, für ihren Text "Backlash advocacy and NGO polarization over women's rights in the United Nations".
- Sönke Matthewes (Ausbildung und Arbeitsmarkt) für seine Veröffentlichung über die frühe Aufteilung von Schülern und Schülerinnen auf verschiedene Schultypen und deren Folgen für ihre Kompetenzentwicklung,
- Julia Pohle (Politik der Digitalisierung) für ihren Beitrag über die Dringlichkeit digitalpolitischer Fragen und die Bedeutung adäquater Entscheidungsstrukturen und finanzieller Ressourcen,
- Werner Krause (Demokratie und Demokratisierung) für seine Analyse der Frage, ob und wie Parteien der politischen Mitte auf Wahlerfolge rechtsradikaler und populistischer Parteien reagieren,
- Tine Hanrieder (Globale humanitäre Medizin) für ihren Beitrag über das Scheitern von Reformbemühungen in der Weltgesundheitsorganisation WHO,
- Anselm Rink-Hager (Migration, Integration, Transnationalisierung) für seinen Nachweise, dass deutsche Sozialämter Menschen besser beraten, die vermeintlich deutscher Herkunft sind,
- Maja Adena (Ökonomik des Wandels) für ihren Beitrag über den Effekt von Radiopropaganda auf den Wahlerfolg der NSDAP am Ende der Weimarer Republik und
- Aiko Wagner (Demokratie und Demokratisierung) und Heiko Giebler (Demokratie und Demokratisierung) für die Entwicklung eines Messkonzepts für Rechtspopulismus.