Die HIV-Epidemie gehört zu den weltweit größten gesundheitlichen, politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Herausforderungen. Einige Länder, vor allem afrikanische Staaten südlich der Sahara, sind sowohl durch den hohen Anteil an bereits infizierten Menschen als auch aufgrund mangelnder Ressourcen für die Prävention und die Behandlung Erkrankter von der Pandemie existentiell bedroht. Dank der solidarischen Absicherung des Krankheitsrisikos durch die gesetzliche Krankenversicherung hat jeder Mensch mit HIV und Aids in Deutschland ungehinderten Zugang zu vollständiger Krankenbehandlung und Medikation. Und Dank frühzeitig einsetzender systematisch betriebener und staatlich geförderter Prävention konnten die Infektionsziffern relativ stabil gehalten werden. Jedoch: Auch hier (wie in anderen postindustriellen Ländern) steigen in der letzten Zeit wieder die Anzahl der Neuinfektionen, und es ist auch eine Aufgabe der Wissenschaft, nach Möglichkeiten zu fahnden, um dieser Tendenz entgegenzuwirken. In Deutschland sind überwiegend marginalisierte Bevölkerungsgruppen von der Krankheit betroffen, vor allem homosexuelle Männer, Konsument/innen von intravenösen Drogen, Migrant/innen und Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau.

Zudem ist die HIV/Aids-Prävention ein Pilotfall von New Public Health. Befunde, Forschungsergebnisse und Erfolge an diesem Pilotfall kommen dem ganzen Feld der Prävention der in Europa vorherrschenden chronisch-degenerativen Erkrankungen zugute. Demzufolge stellt die systematische Übertragung der Erkenntnisse aus der HIV-Prävention auf die Prävention anderer Krankheiten eine weitere zentrale wissenschaftliche Aufgabe dar.

Die Forschungsgruppe Public Health arbeitet seit über 20 Jahren mit Praxiseinrichtungen und Entscheidungsträgern zusammen, um die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen zu maximieren bzw. die Datenbasis hierfür zu verbessern. Unsere Forschungsschwerpunkte umfassen die quantitativen und qualitativen Untersuchung der Lebenslagen der am meisten von HIV/Aids betroffenen Gruppen sowie die wissenschaftliche Begleitung der Planung, Durchführung und Evaluation präventiver Interventionen. Wir sind eingebunden in nationale und internationale Netzwerke, die die wissenschaftliche Arbeit zum Thema HIV/Aids-Prävention in Europa weiterentwickeln und koordinieren.
 

Projekte:

Der Umgang mit HIV-Übertragungsrisiken bei den Nutzerinnen und Nutzern von Kontaktseiten im Internet

Präventives Sexualverhalten bei schwulen und bisexuellen Männern im Zeitverlauf (1991-2007) und Nutzung massenmedialer sowie zielgruppenspezifischer Informationsangebote zu HIV und AIDS

Strukturen zur Stärkung der Evaluation und Qualitätssicherung in der Primärprävention der AIDS-Hilfen

Erfahrung nutzen - Wissen vertiefen - Praxis verbessern. Partizipative Entwicklung der Qualitätssicherung und Evaluation in der Gesundheitsförderung
 

Zeitstabilität in der Risikominderung der HIV-Übertragung unter homosexuellen Männern in Ost- und Westdeutschland 2007
 

Zeitstabilität in der Risikominderung der HIV-Übertragung unter homosexuellen Männern in Deutschland 2010

Partizipative Entwicklung der HIV-Prävention mit Migrantinnen und Migranten

Koordination